Einfach und stark: die Pro-Contra-Liste

Einfach und stark: die Pro-Contra-Liste

0 oder 1, plus oder minus, schwarz oder weiß, dafür oder dagegen, manchmal ist die Welt einfach. Wenn man von einer Methode spricht, dann ist normalerweise ein kompliziertes Verfahren, ein ausgeklügelter Algorithmen oder eine systematische Vorgehensweise gemeint. Dass auch mit einer einfachen Methode beachtliche Ergebnisse erzielt werden können, zeigt die Pro-Contra-Liste – einfach und stark.

Die Pro-Contra-Liste ist ein einfache Form, um sich für oder gegen eine konkrete Projektidee zu entscheiden. Die Alternativen können aber auch darin bestehen, ein vorgeschlagenes Projekt durchzuführen (Pro) oder dies zu unterlassen (Contra).

Pro-Contra-Liste 1 Abwägungen zu einem konkreten Projekt

Es ist auch möglich, zwischen zwei Alternativen zu entscheiden, z. B. zwischen Projekt A oder Projekt B auszuwählen. Das ist immer dann relevant, wenn die Projekte A und B auf identische Ressourcen zugreifen und infolgedessen nicht parallel durchgeführt werden können.

Pro-Contra-Liste 2 Entscheidung Projekt A oder Projekt B

Dazu werden in einer Tabelle mit zwei Spalten gemäß der Aufgabenstellung Pro- und Contra-Argumente bzw. Vor- und Nachteile der Vorhaben gesammelt. Die Vorteile können ggf. um Chancen und die Nachteile um Risiken ergänzt werden.

In vielen Fällen liefert schon die Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile – evtl. nach Neusortierung – eine gewisse Entscheidungssicherheit. Das ist z. B. dann der Fall, wenn die Argumente auf einer Seite durchweg nicht wichtig sind oder wenn sich auf einer Seite bedeutend mehr Argumente wiederfinden. In allen anderen Fällen müssen weitere Überlegungen angestellt werden.

Entscheiden mit Gewichtung von Argumenten

Ein nächster Schritt liegt darin, herauszufinden, welche Seite mehr Gewicht hat, die Pro-Argumente oder die Contra-Argumente.. Die Argumente lassen sich nämlich qualitativ gewichten und besonders intuitive Entscheider kommen auf diese Weise schnell zu einem Ergebnis.

Pro-Contra-Liste 3 Intuitive Gewichtung bei der Projektbewertung

Dazu werden nebensächliche Argumente durchgestrichen und besonders wichtige Argumente hervorgehoben oder farblich markiert. Möglicherweise wird damit die überlegene Entscheidung sofort deutlich. Falls nicht, liegt offenbar keine klare Präferenz für die eine oder andere Seite vor.

Ein semi-quantitatives Verfahren richtet sich an Zahlenmenschen, die weniger intuitiv arbeiten, sondern eher gewohnt sind, mit Tabellenkalkulationen umzugehen. In diesem zahlenbasierten Vorgehen werden alle Argumente mit Punkten, z. B: von 1 bis 5, bewertet. Dazu wird zunächst das unwichtigste Argument in beiden Spalten mit einer 1 bewertet. Anschließend werden alle anderen Argumente relativ zum schwächsten Element bewertet und erhalten also zwischen 1 und 5 Punkte. Sind alle Argumente bewertet werden die beiden Spaltensummen verglichen. Der höhere Wert zeigt die überlegene Seite an. Das Verfahren ist nicht objektiv, weil eine Reihe subjektiver Bewertungen enthalten ist, aber die Werte liefert gute Anhaltspunkte. Insbesondere bei Anwendungen in Teams kommen wegen der interdisziplinären Expertise und unterschiedlicher Einschätzungen sehr verlässliche Ergebnisse zustande.

Pro-Contra-Liste 4 Semi-quantitatives Verfahren A oder B

Ein rein quantitatives Verfahren ist nur für den Fall möglich, dass sich alle Argumente in quantitative, z. B. monetäre Größen umrechnen lassen. Allerdings ist dies i. d. R. nicht gegeben und würde auch den Charakter dieser einfachen Methode verderben.

Entscheiden zwischen mehr als zwei Alternativen

Die einfache Pro-Contra-Liste funktioniert nur bei einer binären Entscheidung, wenn es darum geht Projekt A oder Projekt B durchzuführen bzw. ein Projekt durchzuführen oder es nicht durchzuführen. Wenn zwischen drei oder vier Alternativen zu entscheiden ist und ein einfaches Verfahren eingesetzt werden soll, kann dieses Verfahren erweitert werden. Dazu muss für jede einzelne Alternative eine Pro-Contra-Liste aufgestellt werden. Danach werden bei jeder Liste die Contra-Punkte von den Pro-Punkten abgezogen und die Differenz ergibt die Netto-Punktzahl der jeweiligen Alternative. Die Alternative mit der höchsten Netto-Punktzahl ist die bevorzugende Entscheidungsoption.

Abgrenzbarkeit und Entscheidungsverständnis als Voraussetzungen

Um mit der Pro-Contra-Liste zu brauchbaren Ergebnissen zu kommen, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein. Zunächst ist es erforderlich, dass zwei klar abgrenzbare Alternativen gegenübergestellt werden können, wie z. B. bei folgenden Fragestellungen:

  • Soll Projekt A durchgeführt werden oder Projekt B?
  • Ist es sinnvoll, das Leuchtturmprojekt jetzt zu starten oder nicht?

Bei allen anderen Fällen, insbesondere bei offenen Fragestellungen ist die einfache Pro-Contra-Liste überfordert, z. B. bei folgenden Fragestellungen:

  • Wie lassen sich die Wachstumsziele für das nächste Fiskaljahr erreichen?
  • Durch welche Angebote ist eine gute Zukunftsausrichtung des Unternehmens gegeben?

Noch wichtiger ist die zweite Voraussetzung. Die Beteiligten müssen ein gutes Verständnis für die Auswirkungen der verschiedenen Alternativen haben. Fehlen in der Pro-Contra-Liste kritische Argumente auf der einen oder anderen Seite, können gravierende Fehlentscheidungen folgen. Auch die Gewichtung der Argumente funktioniert nur dann richtig, wenn Klarheit und Konsens über die verfolgten Ziele besteht:

  • Was sind unsere wichtigsten Ziele und worauf kommt es uns dabei an?
  • Welche Ausschlusskriterien sollten nach Möglichkeit nicht auftreten?
  • Welche Randbedingungen müssen zwingend erfüllt sein?

Grenzen der Methode und Entscheidungsfallen

Natürlich gibt es auch Schattenseiten. Die Pro-Contra-Liste ist anfällig für bewusste und auch unbewusste Manipulation. Es drohen damit psychologische Entscheidungsfehler und vorsätzliche Entscheidungsmanipulation. Beispielsweise können die Beteiligten bei einer Anwendung im Team relevanten Argumente vorsätzlich nicht in die Überlegungen einbringen oder Argumente benennen, die auf falschen Informationen oder Folgerungen basieren.

Ebenfalls muss man sehr vorsichtig bei der Gewichtung vorgehen, denn hier drohen weitere Entscheidungsmanipulationen. Die schon o. g. subjektiven Bewertungen sind im Prinzip Verfälschungen, die aber nicht unbedingt beabsichtigt sein müssen. Wenn wir z. B. intuitiv einer Entscheidungsalternative tendenziell folgen, kann unser Unterbewusstsein den Prozess manipulieren und uns zu einem scheinbar objektiven Verfahren verhelfen. Das ist aber nicht so und man muss es sich immer wieder vor Augen führen.

Die Pro-Contra-Liste macht weiterhin das Tor auf für andere psychologischen Entscheidungsfallen. Die Methode bietet keinen besonderen Schutz und bedarf der mündigen und am besten auch gemeinsamen Anwendung im Team. Dieser Aspekt sprengt hier sicherlich den Rahmen, aber genannt sei z. B. die Verfügbarkeitsheuristik. Wenn unser Gedächtnis eine bestimmte Information besonders leicht abrufbar macht, dann beeinflusst dies unsere Bewertungen überproportional. Häufiges, wiederholtes Vorhandensein von Informationen, z. B. in den eigenen Beobachtungen der in den Medien, trägt dazu bei.

Wie lässt sich die Pro-Contra-Liste möglichst effektiv einsetzen? Dazu sollen die folgenden Tipps beitragen.

Tipps für einen effektiven Einsatz der Pro-Contra-Liste

  • Entwickeln Sie eine Pro-Contra-Liste niemals allein, sondern immer mit mindestens drei Teilnehmern, um so verschiedene kognitive Entscheidungsfallen auszuhebeln.
  • Eventuell können Sie die Vor- und Nachteile von verschiedenen Teilnehmern zusammenstellen lassen.
  • An die Vervollständigung und Reifmachung einer Pro-Contra-Liste sollten Sie allerdings nicht in der Gruppe, sondern individuell herangehen, um eine unerwünschte Beeinflussung der Ergebnisse durch Harmonie- oder Dominanzbedürfnisse in der Gruppe zu vermeiden.
  • Analog sollten Sie Vorschläge für die Gewichtungen lieber individuell und verdeckt als offen in der Gruppe zu entwickeln.
  • Ideale Teilnehmer sind solche Personen, die das zugrunde liegende Thema verstehen, aber kein Interesse am Ergebnis haben. Ideal ist weiterhin die Durchführung der Gewichtung durch nicht involvierte Teilnehmer.

Der große Vorteil der Pro-Contra-Liste besteht sicherlich in ihrer einfachen Handhabung und in den sehr geringen Vorkehrungen. Ihr Einsatz ist selbsterklärend und erfordert auch keine weiteren Vorkenntnisse. Ihre Anwendung geht einfach schnell von der Hand!

Die Pro-Contra-Liste schafft Klarheit und bringt Entscheidungssicherheit.

Meine Botschaft lautet deshalb: Ran an die wichtigen Entscheidungen, aber bitte nicht einfach aus dem Bauch heraus, sondern auf Basis relevanter Entscheidungskriterien und am besten auch nicht allein, sondern im Führungsteam oder in einem sonstigen Entscheidungsgremium. Das ist fast schon ein Garant für gute Entscheidungen. Die Pro-Contra-Liste wartet auf Sie!

Beim nächsten Beitrag in der Reihe “Methoden sind Türen zum Erfolg” geht es darum, das Beste auf strategischen Projekten herauszuholen.